Kostenloses Web Based Training zum Thema "Suchprävention in der Arbeitswelt"
Suchtprävention ist kein Randthema. Alkohol, Medikamente und andere Suchtmittel können Sicherheit, Gesundheit und die Zusammenarbeit im Betrieb deutlich beeinträchtigen. Gerade deshalb sollten Unternehmen das Thema nicht erst dann aufgreifen, wenn es bereits zu Auffälligkeiten, Konflikten oder sicherheitskritischen Situationen gekommen ist.

25.06.2026
Gesundheit & Prävention
Sascha Korthals
Ein aktueller Impuls kommt von der Initiative Gesundheit und Arbeit, kurz iga. Anlässlich der Aktionswoche Alkohol 2026 wurde das kostenfreie Web Based Training „Suchtprävention in der Arbeitswelt“ veröffentlicht. Es richtet sich an Unternehmen und Führungskräfte und vermittelt praxisnahes Wissen für den betrieblichen Alltag.
Suchtprävention gehört zum modernen Arbeitsschutz
Suchtmittelkonsum kann im Arbeitsumfeld erhebliche Folgen haben. Die Konzentration kann nachlassen, Reaktionszeiten können sich verändern, die Zusammenarbeit kann belastet werden und das Unfallrisiko kann steigen. Besonders kritisch wird es dort, wo Beschäftigte Maschinen bedienen, Fahrzeuge führen, mit Gefahrstoffen umgehen, in sicherheitsrelevanten Bereichen arbeiten oder Verantwortung für andere Menschen tragen.
Aber auch in Büros, Verwaltungen, Dienstleistungsbetrieben oder sozialen Einrichtungen ist Suchtprävention relevant. Denn es geht nicht nur um akute Gefährdungen. Es geht auch um psychische Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Teamklima, Führungskultur und die Frage, wie ein Unternehmen mit belasteten Beschäftigten verantwortungsvoll umgeht.
Neues Online Training unterstützt Betriebe
Das neue Online Training der iga vermittelt Grundlagen und konkrete Handlungsmöglichkeiten zur betrieblichen Suchtprävention. Nach Angaben der DGUV ist das Angebot kostenfrei und in drei Module gegliedert. Diese behandeln die Grundlagen der Suchtprävention, die Gestaltung von Prävention im Unternehmen sowie das Handeln bei auffälligem Verhalten.
Die Inhalte sind besonders für Führungskräfte, Personalverantwortliche, Arbeitsschutzverantwortliche, Betriebsärzte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und betriebliche Ansprechpersonen interessant. Sie erhalten einen Einstieg in verschiedene Suchtformen, mögliche Auswirkungen auf den Betrieb und sinnvolle Präventionsstrukturen.
Drei Module mit direktem Praxisbezug
Das Training behandelt unter anderem folgende Themen:
Grundlagen der Suchtprävention
Die Teilnehmenden erhalten einen Überblick über unterschiedliche Suchtformen,Entstehungsmechanismen und Auswirkungen auf Sicherheit, Gesundheit undZusammenarbeit im Betrieb.
Prävention im Unternehmen gestalten
Hier geht es darum, wie Unternehmen klare Regelungen schaffen, geeigneteRahmenbedingungen entwickeln und Führungskräfte aktiv einbinden können.
Handeln bei auffälligem Verhalten
Anhand praxisnaher Beispiele wird gezeigt, wie Auffälligkeiten erkannt,Gespräche vorbereitet und Betroffene auf Unterstützungsangebote hingewiesenwerden können. Auch Stufenpläne und Beratungsangebote werden thematisiert.
Die Module können unabhängig voneinander bearbeitet werden.Die Bearbeitungszeit liegt laut DGUV jeweils bei etwa einer bis eineinhalb Stunden. Das macht das Angebot auch für kleinere und mittlere Unternehmen interessant, die einen niedrigschwelligen Einstieg in das Thema suchen.
Warum Unternehmen klare Strukturen brauchen
Suchtprävention funktioniert nicht durch einzelne Hinweiseo der gut gemeinte Appelle. Unternehmen benötigen klare Strukturen. Dazu gehören verbindliche Regelungen, geschulte Führungskräfte, definierte Ansprechpartner und ein nachvollziehbares Vorgehen bei Auffälligkeiten.
Wichtig ist dabei die richtige Balance. Einerseits müssen Arbeitgeber Sicherheit und Gesundheit im Betrieb gewährleisten. Andererseits braucht der Umgang mit betroffenen Beschäftigten Sensibilität, Vertraulichkeitund eine klare Gesprächsführung. Ziel sollte nicht sein, Menschen zu stigmatisieren. Ziel ist, Risiken frühzeitig zu erkennen, Unterstützung anzubieten und gleichzeitig die Sicherheit im Betrieb zu gewährleisten.
Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle
Führungskräfte sind oft die ersten Personen, die Veränderungen im Verhalten, in der Leistung oder in der Zusammenarbeit wahrnehmen. Genau deshalb benötigen sie Handlungssicherheit. Viele Führungskräfte zögern, weil sie unsicher sind, ob sie das Thema ansprechen dürfen, wie sie ein Gespräch führen sollen oder welche nächsten Schritte angemessen sind.
Ein professioneller Umgang bedeutet: beobachten,dokumentieren, sachlich bleiben, keine Diagnosen stellen und konkrete arbeitsbezogene Auffälligkeiten ansprechen. Es geht nicht darum, eine Suchterkrankung festzustellen. Es geht darum, auffälliges Verhalten im Arbeitskontext verantwortungsvoll zu behandeln.
Suchtprävention ist auch Präventionskultur
Ein gutes Präventionskonzept wirkt über den Einzelfall hinaus. Es stärkt die Unternehmenskultur, weil es zeigt, dass Gesundheit, Sicherheit und Fürsorge ernst genommen werden. Beschäftigte merken, ob einUnternehmen nur reagiert oder ob es präventiv handelt.
Suchtprävention sollte deshalb mit anderen Arbeitsschutzthemen zusammengedacht werden, etwa mit psychischer Gefährdungsbeurteilung, betrieblichen Unterweisungen, Führungskräfteschulungen, Betrieblichen Eingliederungsmanagement, Arbeitsmedizin und klaren betrieblichen Regeln.
Unser Praxistipp
Unternehmen sollten prüfen, ob es bereits klare Regelungenzum Umgang mit Suchtmitteln und auffälligem Verhalten gibt. Dazu gehören insbesondere:
klare betriebliche Regelungen, definierte Ansprechpartner, ein abgestimmtes Vorgehen bei Auffälligkeiten, geschulte Führungskräfte, vertrauliche Unterstützungsangebote und eine nachvollziehbare Dokumentation.
Das neue Online Training der iga kann ein guter Einstiegsein, um Verantwortliche und Führungskräfte für das Thema zu sensibilisieren. Es ersetzt jedoch nicht die betriebliche Klärung eigener Prozesse,Zuständigkeiten und Kommunikationswege.
Fazit
Suchtprävention am Arbeitsplatz ist ein wichtigerBestandteil moderner Arbeitsschutzorganisation. Wer frühzeitig handelt, schützt nicht nur einzelne Beschäftigte, sondern auch Teams, betriebliche Abläufe und die Sicherheit im Unternehmen.
Prävention beginnt nicht erst im Krisenfall. Sie beginnt dort, wo Unternehmen klare Regeln schaffen, Führungskräfte befähigen und Gesundheit als Teil ihrer Verantwortung verstehen.
Hier geht es zum kostenlosen Training der Initiative Gesundheit und Arbeit - iga:
Suchtprävention in der Arbeitswelt - Initiative Gesundheit & Arbeit (iga)