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Neue Brandklasse L für Lithium-Brände

Die neue ISO 3941:2026 führt deshalb die Brandklasse L für Lithium-Brände ein. Arbeitgeber sollten jetzt prüfen, ob Gefährdungsbeurteilung, Lagerung, Unterweisung und Löschmittel noch zum tatsächlichen Risiko passen

Das Bild zeigt einen stark beschädigten Lithium Ionen Akku auf einer dunklen Arbeitsfläche. Aus dem Akku schlagen Flammen, es treten Funken aus und dichter Rauch steigt auf.
Beitrag vom

01.06.2026

Kategorie

Aktuelles

Autor

Sascha Korthals

Lithiumbatterien sind aus brandschutztechnischer Sicht besonders kritisch, weil verschiedene Auslöser zu gefährlichen Reaktionsabläufen führen können. Dazu zählen Defekte, mechanische Beschädigungen, falsche Ladeprozesse, Überhitzung oder Produktionsfehler. In solchen Fällen kann es im Inneren der Batterie zu einem Kurzschluss kommen. Erwärmt sich eine einzelne Zelle unkontrolliert, kann sich dieser Vorgang selbst verstärken und auf weitere Zellen im Batterieverbund übergreifen. Dabei entstehen sehr hohe Temperaturen, Rauch, entzündbare Gase und teilweise giftige Zersetzungsprodukte. Besonders problematisch ist, dass auch nach einer scheinbaren Beruhigung eine erneute Entzündung möglich ist, wenn das Zellpaket nicht ausreichend abgekühlt wurde.

Typische Risikobereiche finden sich in vielen Betrieben dort, wo Akkus geladen, gelagert, transportiert oder entsorgt werden. Dazu gehören Ladestationen für E-Bikes, E-Scooter, Werkzeugakkus, Reinigungsmaschinen, Flurförderzeuge oder Elektrofahrzeuge. Auch Lagerbereiche mit Ersatzakkus, Altakkus, beschädigten Akkus oder Rückläufern müssen kritisch betrachtet werden. Weitere relevante Bereiche sind Werkstätten, Versandzonen, Entsorgungs- und Recyclingbereiche sowie mobile Arbeitsplätze mit akkubetriebenen Geräten. Selbst Büros und Sozialräume können betroffen sein, wenn private Akkugeräte unbeaufsichtigt oder über längere Zeit geladen werden.

Für die Gefährdungsbeurteilung bedeutet das, dass Unternehmen zunächst systematisch erfassen sollten, wo Lithiumbatterien im Betrieb vorhanden sind und in welchen Mengen sie genutzt, geladen oder gelagert werden. Anschließend müssen Ladeprozesse, Lagerorte, Transportwege, Entsorgungsvorgänge und der Umgang mit beschädigten Akkus konkret bewertet werden. Auch die Brandschutzordnung, die Unterweisungen und die betriebliche Alarmorganisation sollten den besonderen Brandverlauf solcher Energiespeicher berücksichtigen. Bestehen größere Mengen, besondere Gefährdungen oder Unsicherheiten bei der Bewertung, sollte fachkundige Unterstützung durch Brandschutzexperten, Arbeitsschutzfachleute oder den zuständigen Versicherer einbezogen werden.

Sinnvolle Schutzmaßnahmen beginnen mit klar festgelegten Ladebereichen, die von leicht brennbaren Materialien freigehalten werden. Akkus sollten möglichst nicht dauerhaft unbeaufsichtigt geladen werden. Das gilt besonders für Ladevorgänge über Nacht, wenn kein geeignetes Schutzkonzept vorhanden ist. Beschädigte, verformte, ausgelaufene, auffällig warme oder ungewöhnlich riechende Akkus müssen sofort separiert und sicher behandelt werden. Für Lagerung und Ladevorgänge können geeignete brandschutztechnisch geprüfte Schränke oder klar abgegrenzte Bereiche genutzt werden. Zusätzlich sollten passende Löschmittel, ausreichende Kühlmöglichkeiten, konkrete Notfallabläufe und klare Zuständigkeiten vorab festgelegt werden. Beschäftigte müssen praxisnah unterwiesen werden, damit sie Warnzeichen frühzeitig erkennen und im Ereignisfall keine falschen Reaktionen zeigen.

Die neue Brandklasse L ist fachlich sinnvoll, weil Lithiumbatterien damit nicht mehr nur als Sonderfall anderer Brandarten betrachtet werden. Für die betriebliche Praxis reicht eine reine Klassifizierung jedoch nicht aus. Entscheidend ist, ob daraus verbindliche Regeln für Lagerung, Laden, Kontrolle, Unterweisung und Notfallorganisation abgeleitet werden.

Lithiumbatterien gehören inzwischen zur normalen betrieblichen Ausstattung. Ihr Brandverhalten ist jedoch komplexer als bei vielen klassischen Entstehungsbränden. Unternehmen sollten die neue Brandklasse deshalb als Anlass nutzen, Akku-Risiken gezielt zu erfassen und bestehende Brandschutzmaßnahmen kritisch zu überprüfen.

Brandklasse L kommt: Jetzt Lithium-Akku-Schutz im Betrieb neu bewerten

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